Kiesel für Giovanni di Lorenzo und Michael Giesecke – Tratsch WDR Lokalzeit Duisburg und Rüdiger Jungbluth

Ich schreibe nicht über PLiB-Eintext oder die Kiesabgrabung Homberg, lieber Rüdiger Jungbluth, sondern an Giovanni di Lorenzo einen Leserbrief.

Nebenwirkungen des Fernsehen Lokalzeit Duisburg WDR. Adverse effects of TV Lokalzeit Duisburg WDR.

Trotzdem Respekt!


DIE ZEIT von Giovanni die Lorenzo Nr. 26 am 24. Juni 2010

Wer heute die Politik scharf kritisiert, hat recht. Wer sie verächtlich macht, nicht.

… Nein, das mangelhafte Bild der Parteien heute ist nicht ein spezifisch politisches Problem, es ist ein Abbild der Gesellschaft, in der sie um Stimmen werben. Und trotzdem müssten Bürger, Wirtschaft, Kirchen und Medien ein gemeinsames Ziel verfolgen: die parlamentarische Demokratie zu stärken. Denn ohne sie ist alles andere auch nichts.

Ja, das mangelhafte Bild von Partei und Gesellschaft ist durch den Verlust des Tratsches entstanden. Die elektronischen Medien stehlen Zeit. Ungezügelt schlammen die vom Wesen unidirektionalen Medien ohne jede Reziprozität 1) lawienartig voran.

Über viele Jahrtausende hat Tratsch kulturell selektiert. Im Spätindustrie-Zeitalter ist der Mensch einsam und tratschlos geworden. Die letzte kulturelle Reziprozität ging verloren und die parlamentarische Demokratie wurde schwach wegen unerwünschter Entwicklungen. Mit Demokratie-, Wahl- und Parteiverdrossenheit wird dieses Stadium beschrieben.

Zero-Gossip-Generation. Die Null-Tratsch-Generation ist nicht verdrossen, sie meidet. Meiden als das ultimative ‚always defect‘ 2) wurde kulturell als sehr erfolgreiche Strategie selektiert 3). Der Superlativ des Meidens ist Verachtung.

Die Zeit vor der Glotze fehlt dem Tratsch. Durch den Verlust des Tratsches schwand die letzte Reziprozität in der Gesellschaft und selbst in den Lokalredaktionen. Tratsch erzeugt einen kollektiven Teilabschnitt des Wahrnehmungshorizontes, die Klugheit als gemeinsame Schau der Wirklichkeit.

Ohne Tratsch geht das verloren und Respekt ist keine Gabe, sondern muss erworben werden. So sind heute Institutionen schlecht verfasst. Bürgernähe ist ein hohles Wort und versucht die Entkopplung von System und Leben schön zu reden.

Wahlverdrossenheit ist Wahlverweigerung (engl. shunning). Das Dogma des Systems ist unidirektional. Kein Tratsch, keine Reziprozität.

Duisburg. Wir in DU. Wir sind das Gespräch!


Warum ein Kiesel für Giovanni di Lorenzo und Michael Giesecke? Ehrlich gesagt, ich weiß es selbst nicht. Ein Kiesel fühlt sich gut in der Hand an und ist wie ein Amulett – eben ein Kiesel-Stein-Spiel für Reziprozität.


1) Michael Giesecke, Von den Mythen der Buchkultur zu den Visionen der Informationsgesellschaft
Trendforschungen zur kulturellen Medienökologie, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002

2) Lorens A. Imhof et. al., Tit-for-tat or win-stay, lose-shift? – Journal of Theoretical Biology 247 (2007) 574–580

3) Jonathan Haidt, et al., The New Synthesis in Moral Psychology, SCIENCE, Nr. 316, Seite 998 (2007).


Liebe Grüße aus dem Kulturhauptstadtteil Homberg 2010. ‚Wir in Du. Wir sind das Gespräch‘ soll das Stadtmotto Duisburg werden, so die frohe Kunde an die Redaktionsleiter aller Lokalzeiten und jenseits von Duisburg – trotz Channel- und Abo-Shunning.


Update 17. Feb. 2011

Mit freundlichem Stadt Duisburg Deutschland Gruß – Hafen Wasser Stahl (HWS). Duisburg hat Hals.

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